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Rutenbau


Ich möchte euch mal einen kleinen Einblick in ein weiteres Hobby von mir geben. Wenn man ein bisschen geschickt ist und eine ruhige Hand hat, ist es im Grunde relativ einfach, sich seine Ruten nach seinen Vorstellungen zu bauen. Ich kann in diesem Bericht allerdings nur auf das Wesentliche eingehen, weil dieses Thema viel zu umfangreich ist.

Wichtig ist, dass ihr schon vorab genau wisst wie eure Rute aussehen soll, damit nicht während der Bauphase großartige Veränderungen auftreten. Hierzu fragt einfach bei dem Händler eures Vertrauens nach oder informiert euch im Internet. www.ng-carp.com ist hier eine absolute top Adresse.

Was wird benötigt?

Der Blank:

Hier ist wichtig, dass man das Einsatzgebiet der Blanks vor dem Kauf genau festlegt. Wurfkraft und Drillfreude beißen sich in aller Regel und man muss Kompromisse eingehen. Ähnlich sieht es bei der Länge aus.

Die Ringe:

Das wichtigste beim Ringe Kauf ist, dass sie eine SIC Einlage haben.

Der Rollenhalter:

Hier endscheidet der eigene Geschmack.

Das Wickelgarn:

Wichtig ist, dass es farbfixiert ist, da sich sonst die Farbe beim lackieren lösen würde und sich im Lack wiederbindet

Der Griff:

Es gibt Kork, Duplon, Metall, Schrumpfschlauch und Fastgrippmaterial. Auch hier entscheidet wieder der persönlich Geschmack.

Die Abschlusskappe:

Hier sollte auch wieder der persönliche Geschmack endscheiden.

Der Lack:

Für mich gibt es nur ein Lack und zwar den 2K Flexcoat von Gudebord. Er ist flexibel, einfach in der Anwendung und man hat fast immer perfekte Ergebnisse.

Die Wickelbank:

Im Grunde brauch man nur zwei Auflagen und eine Führung, die das Garn auf Spannung hält und es am Blank führt.

Zubehör:

- Teppichmesser
- Edding
- Kreppband (Papierklebeband, das was sich nicht ziehen lässt)
- Maßband
- Monoschnur
- weiche Pinsel zum Lackieren
- Verdünnung
- Mischgefäß
- Uhu 2 Komponenten Schnellfest transparent (in folgendem 2KK genannt)
- Spezial Heißkleber für die Ringklebung
- Sekundenkleber
- Eine Waage die in Grammschritten wiegt

Wenn wir jetzt alles haben, kann es los gehen.

Springpunkt
Als erstes nehmen wir unseren Blank und schauen wo der Springpunkt (Overlap) ist. Hierfür wird der Blank auf den Boden gestellt, am anderen Ende des Blanks wird mit der Hand ein leichter Druck ausgeübt um den Blank leicht zu krümmen. Jetzt muss der Blank leicht nach links und rechts gerollt werden, um fest zu stellen an welchem Punkt er „springt“.
Dieser Punkt ist die Unterseite der Rute, wobei es auch mal sein kann, dass er an zwei Stellen springt. Dann ist die Mitte der beiden Punkte unser gesuchter Punkt für die Unterseite. Im ungünstigsten Fall liegen die beiden Punkte fast gegenüber. Dann muss man schauen, welcher der beiden
härter ist.

Rollenhalter mitte
Als nächstes legen wir die Position des Rollenhalters fest. Die Rute sollte dabei gut in der Hand liegen und optimales Wurfgefühl vermitteln.
Dabei brauch man keinen Rollenhalter zu fixieren, denn man nimmt den Blank in die Hand und an dem Punkt an dem die obere Hand ist, ist nachher die Mitte des Rollenhalters. Diesen Punkt fixiert man per Krebband. Von dieser Position aus messen wir etwa 75-90cm Richtung Blankspitze, dies ist die Position des Block- bzw. Startringes (Z). Nun messen wir vom Startring bis zur Spitze und teilen die Ringe nach der unten stehenden Formel ein.

Formel

A = Abstand vom Startring zum Spitzenring
B = Anzahl der Ringe ohne Spitzenring
C = A : B
D = C : B
E = (B – 1) : 2 x D
F = C – E (Erster Ringabstand vom Spitzenring)
Alle weiteren Abstände immer wieder + D

Hier ein Beispiel:

A = 100 B = 5 Stück C = 100 : 5 = 20 D = 20 : 5 = 4
E = (5 – 1 =) 4 : 2 x 4 = 8 F = 20 – 8 = 12 (Erster Ringabstand vom Spitzenring)
12 +4 = 16 cm; 16 + 4 = 20 cm;
20 + 4 = 24 cm; 24 + 4 = 28 cm

Montage der Ringe und des Rollenhalters:

Ringplatzierung

Die Ringe werden erst einmal mit Klebeband auf dem Blank fixiert, ebenso wird die Rolle an der entsprechenden Position des Rollenhalters befestigt. Nun wird Schnur durch die Ringe gezogen und irgendwo fest angebunden. Wir geben jetzt leichte Spannung auf den Blank und schauen ob immer der gleiche Winkel vor und hinter dem Ring vorhanden ist. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen die Positionen entsprechend geändert werden.

Spitzenring

Wenn soweit alles passt, kann mit dem wickeln begonnen werden. Wir fangen am Spitzenring an und fixieren diesen mit dem Heißkleber. Man kann jetzt schon eine Art „Unterwicklung“ vor den Ring setzen um später eine 100% gleichmäßige Wicklung zu erhalten.

Nun sind die anderen Ringe dran und dabei muss dringend darauf geachtet werden, dass die Füße plan auf liegen und der Ring selber rechtwinklig zum Blank steht. Damit man sauber wickeln kann, klebt man den Ring einfach mit etwas Klebeband auf den Blank. Am Anfang der Wicklung legen wir das Garn um den Blank nach hinten und ziehen es in Richtung der Wicklung an dem von unten kommenden Garn vorbei. Dann wickeln wir ein paar Mal herum, so dass das Ende eingeklemmt wird.

Wicklung 1            Wicklung 2


Wicklung 3            Wicklung 4


Nachdem der Ring etwa 5-10 umwickelt ist, schneiden wir das kurze Ende ab und wickeln bis zum Ringfuß vor.
Etwa 10 Wicklungen vor dem Ende legen wir eine Schlaufe aus Monofil Schnur in die Wicklung ein.
Jetzt wird bis zum Ende weiter gewickelt, dann hält man mit dem Finger die Wicklung fest und schneidet das Garn ab. Das Ende wird durch die Schlaufe geschoben, diese heraus gezogen und die Wicklung am Garnende fest gezogen.

So wird allen Ringen am Spitzenteil verfahren.

Wenn man Zierwicklungen machen will, muss die Monofilschnur schon bei der ersten Wicklung mit eingewickelt werden, da man sonst das Garn nicht mehr durchgezogen bekommt.

Nachdem alle Ringe gewickelt wurden, müssen sie nochmals ausgerichtet werden. Dazu schaut man am Blank entlang und schiebt sie vorsichtig in die perfekte Position.

Somit wäre das Spitzenteil vorerst fertig und man kann sich dem Handteil widmen.

Griff wickeln
Der hinterste Griff macht hier den Anfang. Ich bevorzuge den Fastgripp von Century. Um einen sauberen, geraden Abschnitt des Bandes zu bekommen, nutzt man ein Stück Klebeband.
Nach dem Abschneiden entfernt man das Klebeband und fixiert das Fastgripp-Band mit Sekundenkleber. Wenn man will, kann man noch Edelstahlringe, Fittings oder Ähnliches als Abschluss zum Blank anbringen. Ich verwende dabei meistens Century Edelstahlfitting. Diese werden dann einfach mit 2KK auf dem Blank geklebt.

Die Endkappe sollte zu dem Gesamtbild der Rute passen. Auch die Endkappe wird nun auch mit 2KK in den Blank oder auf das Ende vom Griff geklebt.

Jetzt konzentrieren wir uns auf den Rollenhalter. Dafür wickeln wir an jedem Ende des Rollenhalters und in der Mitte vom Rollenfuß eine Unterfütterung aus Kreppband. Diese muss so dick sein, dass der Halter sich leicht drüber schieben lässt, aber nicht wackelt.

Wenn wir die Unterfütterungen fertig haben, streichen wir diese satt mit den 2KK ein und schieben den Rollenhalter von der Spitze her, bis er komplett auf den Unterfütterungen sitzt, auf den Blank. Bitte nicht am Kleber sparen, das könnte nämlich zur Folge haben, dass der Rollenhalter später wackelt oder gar sich löst. Beim Trocknen sollte die Rute aufrecht an die Wand gestellt werden, das hat den Vorteil, dass überschüssiger Kleber auf den Unterwickler läuft und diesen somit weiter fixiert. Um die Enden des Rollenhalter zu verschließen, verwende ich sogenannte Collars, das sind Edelstahlringe, die konisch laufen und somit den Abstand zwischen Rollenhalter und Blank minimieren. Diese werden in den Rollenhalter geklebt und mit Lack an den Rollenhalter anlackiert, so dass der Rollenhalter nach innen kein Wasser aufnehmen kann. Nach dem Trocknen können wir nun die letzten Ringe auf den Blank wickeln und die Anschlüsse an Griffe, Rollenhalter oder Fittings fertig stellen.

Rollenhalter Unterfütterung            Rollenhalter


Die Rute ist nun soweit fertig und man muss nur noch den Lack auftragen. Hier entscheidet sich, ob die Rute am Ende das Entsprechende aussehen hat oder nicht.

Wichtig ist hierbei, dass man eine konstante Raumtemperatur von min. 25°C und eine Luftfeuchtigkeit von 40% hat. Sollte das nicht der Fall sein, kann der Lack Wasser ziehen und wird milchig.

Zur Vorbereitung wiegt man den Lack mit einer Digitalwaage ab. Ich mische meistens etwa 5g von jeder Komponente um damit dann alle Wicklungen der Rute zu lackieren. Beim ersten Lackierdurchgang mische ich zusätzlich noch etwa 10% Nitroverdünnung unter, damit der Lack auch in das Garn und in den Hohlraum am Ringfuß eindringen kann. Den Lack eher dünn und einmal mehr auftragen um ungewünschte Wölbungen oder Tropfen zu vermeiden.

Drehbank

Den Lack mit einem Kunststoffstäbchen z.B. einem kleinen Löffel aus einem Kaffeeautomaten in kleinen Kunststoffbehältern anrühren. Sollten sich während des Lackierens kleine Bläschen entstehen, kann man diese durch vorsichtiges erhitzen mit einem Feuerzeug entfernen. Aber nicht zu nah mit der Flamme an den Lack, sondern nur die heiße Luft für sich arbeiten lassen.

Zwischen der ersten und zweiten Lackschicht sollten etwa 12 Stunden liegen, zwischen der Zweiten und Dritten etwa 24-36 Stunden.

Während des Lackierens, muss die Rute die ersten 2 Stunden jede Minute um 90° gedreht werden und danach alle 30min. um 180°(noch ca. 6-8 mal). Nach diesem Zeitraum läuft der Lack nicht mehr, allerdings ist es von Vorteil, wenn sich die
Rute die ganze Zeit dreht.

Dies erreicht man, indem man sich langsam laufende Motoren (Spiegelkugel oder Grillspießmotoren; Umdrehung ca. 3-8
pro Minute) besorgt und sich eine „ Drehbank“ baut. Das erleichtert die Arbeit ungemein und hält sich finanziell im Rahmen. Nach dem der Lack ausgehärtet ist sollte die Traumrute fertig sein.

Hier noch ein paar Hinweise die man beachten sollte:

- Immer mit sauberen und fettfreien Fingern arbeiten
- Ein scharfes Teppichmesser mit neuer Kling verwenden
- Immer konzentriert und in Ruhe arbeiten
- Die Ruten nach der dritten Lackierung noch min. 5 Tage im warmen Raum lassen, damit die Lackstellen nicht milchig werden.
- Wenn man nicht weiter weiß, jemanden fragen, der sich auskennt, z.B. Rutenbauer
- Nach dem Lackieren sieht man jeden Fehler, den man gemacht hat für immer!

Sascha Sebastian

Und nun viel Spaß und gutes Gelingen wünscht euch euer

Sascha Sebastian